Arktis- und Antarktisforscher treffen sich in St. Petersburg
Mit über 1200 Teilnehmern ist dies die größte Konferenz der Polarforscher im jetzt laufenden Internationalen Polarjahr. Wissenschaftler vom Institut für Planetare Geodäsie der Technischen Universität Dresden werden dort neue Zahlen zu den Massenverlusten des antarktischen und des grönländischen Eisschildes vorstellen. Dazu wurden Daten der Satelliten-Schwerefeldmission GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) ausgewertet, die seit 2002 im Orbit ist.
"Der beobachtete globale Meeresspiegelanstieg von 3 mm pro Jahr wird zu etwa einer Hälfte auf thermische Ausdehnung des Meerwassers zurückgeführt, zur anderen Hälfte auf Wassereintrag von den Kontinenten, insbesondere schmelzendes Eis", erläutert Prof. Reinhard Dietrich, Direktor des Instituts für Planetare Geodäsie, die Hintergründe. "Der antarktische Eisschild und der grönländische Eisschild tragen nach unseren Berechnungen 0.31 bzw. 0.55 mm pro Jahr dazu bei." Die Unsicherheiten des ermittelten Beitrages zum Meeresspiegelanstieg liegen bei etwa 20%. "Der Massenverlust in der Antarktis tritt ausschließlich in der Westantarktis und im Bereich der Antarktischen Halbinsel auf, die Ostantarktis ist relativ stabil", erklärt Projektwissenschaftler Dr. Martin Horwath. "In Grönland konzentriert sich der Massenverlust auf die Randbereiche, insbesondere im Südosten. Der jährliche Massenverlust der beiden Eisschilde würde, wenn er allein auf Deutschland verteilt würde, eine Wasserschicht von 80 cm ergeben."
Trotz der erzielten Ergebnisse sehen die Wissenschaftler weiteren Forschungsbedarf. Zum Einen müssen die großen Ausflussgletscher, die durch beschleunigtes Fließen zum Massenverlust beigetragen haben, in ihren Wirkungsmechanismen besser verstanden werden. Zum Anderen ist das Massensignal, das die Satellitenmission ermittelt, noch genauer aufzuteilen in die Wirkung von Eismassenänderungen und Hebungs- oder Senkungsbewegungen der darunterliegenden Erdkruste. Zur Beantwortung dieser Fragen werden auch in Zukunft Polarexpeditionen direkt vor Ort entsprechende Messungen durchführen müssen.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Dresden
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