DFG richtet 18 weitere Schwerpunktprogramme ein

27.04.2009 | Bonn
Themen reichen von Algorithmischer Algebra über Hochleistungsbatterien bis zu planetarischen Magnetfeldern

Wie verändert sich die Kommunikation und damit das Sozialverhalten des Menschen in der "mediatisierten", durch und durch von Medien geprägten Welt? Welche elektronischen Eigenschaften hat das Graphen und was macht diesen zweidimensionalen Kristall aus Kohlenstoffatomen so einzigartig für neue Anwendungen in der Mikroelektronik? Können Lithium-Ionen-Batterien für den mobilen Einsatz noch leistungsfähiger und langlebiger gemacht werden? Auf welche Weise spielen das Immunsystem und das Knochensystem des Menschen zusammen und wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Dies sind nur einige von zahlreichen Fragestellungen in der Grundlagenforschung, die in den kommenden Jahren in neuen Schwerpunktprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht werden sollen.

Der Senat der DFG richtete jetzt auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn insgesamt 18 Schwerpunktprogramme (SPP) ein. Sie sollen ab Anfang 2010 ihre Arbeit aufnehmen und durch die koordinierte orts- und fächerübergreifende Bearbeitung neuer Themen spürbare Impulse zur Weiterentwicklung der Forschung geben.

Die neuen SPP decken das gesamte fachliche Spektrum von den Geistes- und Sozialwissenschaften über die Lebenswissenschaften bis zu Geowissenschaften ab; auch die Bereiche Mathematik und Physik sind ebenso vertreten wie die Werkstoffwissenschaften und die Materialwissenschaften, die Informatik, System- und Elektrotechnik ebenso wie die Produktionstechnik. Das Themenspektrum reicht dabei vom tief greifenden gesellschaftlichen und technologischen Wandel Afrikas über die sogenannten epigenetischen Modifikationen und deren Rolle bei malignen Erkrankungen des Blutsystems bis hin zu den Magnetfeldern der Planeten und Monde unseres Sonnensystems. Die Hochtemperatursupraleitung in Eisenpniktiden und mögliche Anwendungen dieser neuen Materialklasse werden ebenso untersucht wie Transportprobleme an fluiden Grenzflächen, wozu valide Modelle und effiziente numerische Verfahren entwickelt werden sollen.

Andere der neuen SPP wollen die Auswirkungen großer Hitze auf Zerspanprozesse minimieren, neuartige Werkzeugmaschinen für die Mikrofertigung entwickeln oder Hochleistungswerkstoffe ermüdungsresistent gestalten und ihnen damit eine praktisch "unendliche Lebensdauer" geben. In weiteren Einrichtungen geht es darum, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Softwaresystemen zu erhöhen, Mikrochips für elektronische Alltagsbegleiter wie Navigationssysteme oder Airbags weniger anfällig zu machen oder theoretische, algorithmische und Systementwicklungskompetenzen aus Mathematik und Computer-Algebra zu verknüpfen, um zu neuen Algorithmen und mathematischen Vermutungen zu kommen. In Präzisionsexperimenten mit ultrakalten Neutronen soll schließlich in bisher unerreichte Auflösungsbereiche und damit zu physikalischen Phänomenen jenseits der bisherigen Standardmodelle vorgedrungen werden.

Die 18 neuen SPP wurden aus 61 eingereichten Konzepten ausgewählt und werden im ersten Förderjahr mit insgesamt 32,3 Millionen Euro gefördert. Bei zwölf Schwerpunktprogrammen erstreckt sich die Förderung dabei zunächst über drei Jahre, sechs SPP werden für zunächst zwei Jahre gefördert. Insgesamt stehen für die neuen Programme in der ersten Förderperiode 86,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Wichtigstes Kennzeichen - und das Erfolgsrezept - der DFG-geförderten Schwerpunktprogramme ist, dass sie die in der Wissenschaft in Deutschland und darüber hinaus vorhandenen Kompetenzen zu neu sich bildenden Forschungsgebieten vernetzen. In ihrer Thematik, der gewählten Methodik oder den eingegangenen Kooperationen sollen die SPP eine neue Qualität der Forschung erreichen. Auch die enge Einbeziehung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist Bestandteil aller Schwerpunktprogramme und Voraussetzung für eine Förderung. Die einzelnen Themen der SPP werden ausgeschrieben, eingehende Förderanträge in einem strengen Begutachtungsverfahren auf ihre Qualität und ihren Beitrag zum jeweiligen Thema geprüft.

Die Schwerpunktprogramme arbeiten in der Regel sechs Jahre. Mit den nun bewilligten 18 Einrichtungen fördert die DFG im kommenden Jahr insgesamt 99 Schwerpunktprogramme.

Die neuen Schwerpunktprogramme (geordnet nach Fachbereichen) und ihre Koordinatoren sind:

Geistes- und Sozialwissenschaften

Adaption and Creativity in Africa - Technologies and Significations in the Production of Order and Disorder

Koordinatoren: Prof. Richard Rottenburg, Universität Halle-Wittenberg, Prof. Ulf Engel, Universität Leipzig

Mediatisierte Welten: Kommunikation im medialen und gesellschaftlichen Wandel

Koordinator: Prof. Friedrich Krotz, Universität Erfurt

Lebenswissenschaften

Osteoimmunology - IMMUNOBONE - A Programme to Unravel Mutual Interactions between the Immune System and Bone

Koordinator: Prof. Georg Schett, Universität Erlangen-Nürnberg

Epigenetic Regulation of Normal Hematopoiesis and its Dysregulation in Myeloid Neoplasia

Koordinator: Prof. Michael Lübbert, Universitätsklinikum Freiburg

Principles and Evolution of Actin-nucleator Complexes

Koordinator: Prof. Eugen Kerkhoff, Universität Regensburg

Geowissenschaften

Planetary Magnetism (PlanetMag)

Koordinator: Prof. Matthias Holschneider, Universität Potsdam

Mathematik/Physik

Präzisionsexperimente zur Teilchen- und Astrophysik mit kalten und ultrakalten Neutronen

Koordinator: Prof. Hartmut Abele, TU München

Hochtemperatursupraleitung in Eisenpniktiden

Koordinator: Prof. Bernd Büchner, TU Dresden

Transportprozesse an fluiden Grenzflächen

Koordinatoren: Prof. Dieter Bothe, RWTH Aachen, Prof. Arnold Reusken, RWTH Aachen

Algorithmische und Experimentelle Methoden in Algebra, Geometrie und Zahlentheorie

Koordinator: Prof. Wolfram Decker, Universität des Saarlandes

Werkstoffwissenschaften

Life - Unendliche Lebensdauer für zyklisch beanspruchte Hochleistungswerkstoffe

Koordinator: Prof. Hans-Jürgen Christ, Universität Siegen

WeNDeLIB - Werkstoffe mit Neuem Design für verbesserte Lithium-Ionen-Batterien:

Thermodynamik, Kinetik, Werkstoffchemie, Virtualisierung und Systemverhalten von Lithium-Ionen-Batterie-Materialien für die Elektromobilität von morgen

Koordinator: Prof. Hans Jürgen Seifert, TU Bergakademie Freiberg

Materialwissenschaften

Graphene

Koordinator: Prof. Thomas Seyller, Universität Erlangen-Nürnberg

Partikel im Kontakt - Mikromechanik, Mikroprozessdynamik und Partikelkollektive (PiKo)

Koordinator: Prof. Jürgen Tomas, Universität Magdeburg

Informatik/System- und Elektrotechnik

Zuverlässig sichere Softwaresysteme

Koordinator: Prof. Heiko Mantel, TU Darmstadt

Entwurf und Architekturen verlässlicher Eingebetteter Systeme: Ein Grand Challenge im Nano-Zeitalter

Koordinator: Prof. Jörg Henkel, Universität Karlsruhe

Produktionstechnik

Kleine Werkzeugmaschinen für kleine Werkstücke

Koordinator: Prof. Jens P. Wulfsberg, Universität der Bundeswehr Hamburg

Modellierung, Simulation und Kompensation von thermischen Bearbeitungseinflüssen für komplexe Zerspanprozesse

Koordinator: Prof. Dirk Biermann, Universität Dortmund

Quelle: Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V.

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