Flüssiges Spiegelteleskop für den Mond

19.10.2008 | Hamm
Ein internationales Team von renommierten Astronomen und Optikern hat womöglich einen Weg gefunden "unglaublich große" Teleskope auf dem Erdtrabanten zu errichten.

"Es ist so einfach" sagt Ermanno F. Borra, Physikprofessor vom Optics Laboratory of Laval der University in Quebec, der schon seit 1992 flüssige Teleskope erforscht. "Isaac Newton wusste schon, das jede Flüssigkeit, die in einen flachen Behälter gefüllt und gedreht wird, eine parabolische Form annimmt - der selben Form, welche für einen Teleskopspiegel benötigt wird, um das Sternenlicht zu fokussieren. Dies könnte der Schlüssel sein, gigantische Mondobservatorien zu bauen."

Auf der Erde werden flüssige Spiegelteleskope meist aus Quecksilber hergestellt, da es auch bei Raumtemperatur flüssig ist und über 75 % des einfallenden Lichts reflektiert und somit fast so gut wie Silber ist.

Das größte Flüssigspiegelteleskop ist das Large Zenith Teleskop der University of British Columbia in Canada. Es hat einen 6-m großen Durchmesser, ist seit 2005 fertiggestellt und hat weniger als $ 1 Millionen gekostet - und damit deutlich weniger als ein normales Teleskop mit dem selben Durchmesser.

"Unsere Studien begannen, als ich noch Astronomieprofessor an der University of Arizona war und bevor ich zur NASA im Jahr 2006 kam" sagt Simon P. Worden, Direktor des Ames Research Center der NASA. "Der große Reiz dieses Vorstoßes ist ein unglaubliches großes Teleskop auf dem Mond."

Doch leider ist Quecksilber auf dem Mond nicht praktikabel. Aufgrund seiner Dichte und dem damit verbundenen hohen Gewicht wären die Startkosten relativ hoch und es würde obendrein schnell im lunaren Vakuum verdunsten.

Doch die Forscher haben in den letzten Jahren mit organischen Komponenten, so genannten ionic liquids (ionischen Flüssigkeiten) einige vielversprechende Erfolge erzielt. "Ionische Flüssigkeiten basieren auf geschmolzenen Salzen" erklärt Borra. "Ihre Verdunstungsrate ist fast null und würden damit nicht im lunaren Vakuum verdampfen. Sie bleiben außerdem bei sehr niedrigen Temperaturen flüssig."

Da sie außerdem eine weit geringere Dichte als Quecksilber aufweisen (nur etwas Dichter als Wasser) könnte ein drehender Spiegel aus ionischen Flüssigkeiten mit einer hauchdünnen Schicht (50 - 100 Nanometer) Silber belegt sein und somit fast wie ein fester Spiegel wirken und auch im Vakuum weder verdampfen noch einen Makel aufweisen.

Außerdem arbeiten die Forscher an einer Möglichkeit der elektromagnetischen Krümmung von sekundären Spiegeln über dem flüssigen Hauptspiegel oder gar der Krümmung des Hauptspiegels selbst.

Ein guter Standort für ein solches Teleskop wären dabei die Pole des Erdtrabanten, da hier zahlreiche tiefe Krater vorhanden sind, in denen das Teleskop errichtet werden könnte und wo die ganze Zeit eisige Temperaturen herrschen, so dass optimale Bedingungen auch für Infrarotteleskope vorhanden sind. Die Energieversorgung hingegen könnte über Solarpaneele realisiert werden, die außerhalb des Kraters aufgestellt werden könnten.

Aber der größte Vorteil ist wohl, dass die gesamte Ausrüstung mit einer einzigen Ares 5 Rakete in den 2020ern zum Mond gebracht werden könnte.

Quelle: Pressemeldung extrasolar-planets.com

Dieser Beitrag wurde bisher 117 mal gelesen.
(Rang 147 auf planeten24.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

DFG richtet zwölf neue Forschergruppen ein

14.10.2011 | Breit gefächertes Themenspektrum von Satellitennavigation über Borderline-Störungen bis hin zu winzigen...

weiter in DFG richtet zwölf neue ...

Juri Gagarin: 50 Jahre bemannte Raumfahrt

04.04.2011 | Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum. Dieses Jahr feiern wir das 50. Jubiläum...

weiter in Juri Gagarin: 50 Jahre bemannte ...

Neue Indizien für die Entwicklung galaktischer Scheiben von innen nach außen

01.04.2011 | Sterne bilden sich ständig in Galaxien, wobei einige Galaxien deutlich aktivere Sternentstehung zeigen als...

weiter in Neue Indizien für die Entwicklung ...

Ritter Rost in "Aufruhr"

328 mal gelesen. Rang 8 auf planeten24.de.

03.09.2010 | Musikalische Autorenlesung im LWL-Museum für Archäologie

weiter in Ritter Rost in "Aufruhr" ...

Spaziergang auf dem Mars mit dem WorldWide Telescope

13.07.2010 | Auf eigene Faust ferne Galaxien erkunden - dieses Abenteuer war bisher nur Astronauten und Wissenschaftlern...

weiter in Spaziergang auf dem Mars mit dem ...



Aktuelles

DFG richtet zwölf neue Forschergruppen ein

Breit gefächertes Themenspektrum von Satellitennavigation...

weiter ...

Juri Gagarin: 50 Jahre bemannte Raumfahrt

Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch in den...

weiter ...

Neuigkeiten

Media Alert: Yahoo! Mail jetzt auch auf dem iPad

Nachdem vor einem Monat bereits die Yahoo! Homepage für das...

weiter ...

Ozonverlust über der Arktis erreicht Rekordwerte

Die vom ESA-Umweltsatelliten Envisat über dem...

weiter ...

Weitere Themen

Handy Tarif

Wer sich ein neues Handy kaufen möchte, der sollte unbedingt...

weiter ...

Schutz im Worst- Case- Szenario

Am 14. April 2010 entstand durch den Ausbruch des Vulkans...

weiter ...

Archiv

Die Planeten des Kosmos

Wir fahren auf einer Ellipsenbahn um die Sonne. Unser...

weiter ...

Bürgerstiftungen sammeln über 11.000 alte Handys für guten Zweck

Bürgerstiftungen sammeln, Vodafone spendet: Unter dem Motto...

weiter ...

Verschiedenes

Beeindruckender Erfolg für deutsche Raumfahrtindustrie

Für den BDLI bedeutet der erfolgreiche 200. Start einer...

weiter ...