Keine Ölförderung im Nationalpark
Am Rande einer Veranstaltung von RWE Dea am 16. Januar in Tönning haben Schutzstation Wattenmeer und WWF sowie engagierte Nationalpark-Anwohner gegen die Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer durch den Energieriesen demonstriert. Sie fordern den Abbau der Förderplattform Mittelplate. Anlass der Veranstaltung waren große Baumaßnahmen rund um die Plattform im Watt, die durch die bestehende Genehmigung nicht abgedeckt sind.
"Die Bohr- und Förderplattform ‚Mittelplate’ ist trotz aller Beteuerungen von RWE Dea nicht standfest", sagte Silvia Gaus, Biologin bei der Schutzstation Wattenmeer.
"Trischenflinge", so heißt der "freche" Priel, der seit Jahren auf die Öl-Insel zuwandert. Aus diesem Grund baut das Betreiberkonsortium seit 2007 auf einer Fläche von acht Fußballfeldern und bis über zehn Meter Wassertiefe einen sogenannten Kolkschutz rund um die Plattform. Doch der einst genehmigte Betriebsplan der Förderinsel deckt so etwas gar nicht ab. Deshalb wurde der Fall als Notfall dargestellt, es wurde ohne Genehmigung gebaut. Ein offizielles Genehmigungsverfahren wurde erst nachträglich auf den Weg gebracht. Doch ein Jahr nach Baubeginn hat das Verfahren noch nicht einmal begonnen. "Ein Priel, der auf die Öl-Insel zuwandert, ist ein ganz normaler Vorgang in der dynamischen Natur des Watts. Das dadurch die Plattform bedroht wird, zeigt, wie unsicher die Ölförderung im Nationalpark ist", so Gaus.
"Die Öl-Insel hat im Nationalpark nichts zu suchen. Sie kann nicht ohne unzumutbare Eingriffe betrieben werden. Wir fordern den Abbau der Plattform Mittelplatte," so Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF Wattenmeerbüros. "RWE Dea baut einfach und fragt erst danach nach einer Genehmigung. Kein Häuschenbauer kann sich so etwas ungestraft erlauben."
Schutzstation Wattenmeer und WWF fordern das Landesbergamt auf, die nachträgliche Genehmigung zu verweigern. Denn die Eingriffe seien massiver als ursprünglich geplant. Der Betriebsplan müsse zurückgezogen werden, so die beiden Naturschutzverbände.
RWE will die Ölförderung im geschützten Wattenmeer massiv ausweiten. Hierzu sind an sechs Stellen im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Nationalpark Untersuchungsbohrungen geplant. Und auch ganz im Norden im Kreis Nordfriesland hat RWE Dea erste Schritte unternommen, um Öl aus dem Boden zu holen. Das Wattenmeer mit seiner Insel- und Halligwelt wurde - entgegen einem einstimmigen Kreistagsbeschluss - RWE Dea als Untersuchungsgebiet zugesprochen. Schutzstation Wattenmeer und WWF kündigten an, dass sie sich diesem Missbrauch des Nationalparks mit allen Kräften entgegenstemmen werden.
Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland
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