LWL-Museum für Naturkunde und Planetarium runderneuert
Techniker laufen durch das LWL-Museum für Naturkunde, hängen im Planetarium unter der Sternenkuppel und justieren die neuen Projektoren. Es sind die letzten Handgriffe vor der Wiedereröffnung von Planetarium und Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am 22. Mai in Münster. Eine Festwoche erwartet die Besucher nach sechs Wochen Schließungszeit.
Seit dem 12. April hatten Fachleute neue Technik im Planetarium eingebaut und das Museumsge-bäude saniert, um Energie zu sparen. "Um so schnell wie möglich wieder zu öffnen, mussten die Handwerker bei der Vielzahl unterschiedlicher Arbeiten einen exakten Zeitplan einhalten", erläuterte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch am Donnerstag (20.5.) in Münster.
Drei Millionen Besucher seit Gründung
"Noch in diesem Jahr erwarten wir den 3 Millionsten Besucher", ist sich Kirsch sicher. Seit seiner Eröffnung vor rund 30 Jahren hatte das LWL-Museum für Naturkunde jährlich über 100.000 Besucher. 2009 besuchten über 160.000 Menschen das Museum, davon nahm mehr als jeder Zweite (über 90.000) an den Programmen im Planetarium teil. Trotz der zeitweisen Schließung wolle das Museum auch in diesem Jahr wieder derartig gute Besucherzahlen erreichen.
Neue Planetariumstechnik - scharfe Bilder
1981 wurde das Planetarium mit seinem Kuppeldurchmesser von 20 Metern im neugebauten LWL-Museum eröffnet. Nach der Modernisierung des Projektionssystems zählt das Planetarium Münster jetzt zu den technisch modernsten in Europa und bietet die schärfsten Bilder aller deutschen Planetarien.
Die Technik des Planetariums bestand früher aus dem Sternenprojektor und der Multivisionsanlage, einem Projektionssystem mit 50 Diaapparaten und mehreren Videoprojektionsgeräten auf dem technischen Stand von 1981. Sie war stark veraltet und zeigte aktuelle Ausfälle. Der Sternenprojektor wurde bereits 1998 erneuert. 2008 fasste der LWL-Landschaftsausschuss den Beschluss, die Planetariumstechnik weiter zu modernisieren und stellte 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.
Die alten Diaprojektoren wurden durch ein System hochauflösender Videoprojektoren, die so ge-nannte Fulldome-Technik, ersetzt. Die neuen Projektoren werfen ein riesiges, den Besucher umgebendes Computerbild an den Planetariumshimmel. Dabei erreichen sie eine in europäischen Planetarien bisher unbekannte Bildauflösung von 35 Megapixeln. Kirsch: "Im LWL-Planetarium in Münster kann man ab jetzt die schärfsten digitalen Himmelsbilder Europas sehen."
Die sechs neuen Projektoren fallen sofort auf, denn sie sind in großen, dunklen Kästen an vier Stellen im Besucherbereich jeweils in den hinteren Reihen des Raumes aufgestellt. Einige Sitzplätze fallen weg, um Platz für die neuen Geräte zu schaffen. Weitere fühlbare Neuerung für die Besucher: Die dreh- und kippbaren Stühle wurden komplett überarbeitet. Neben der bequemen, verbesserten Polsterung gibt es jetzt Kopfstützen.
Auf über 60 Meter wurden 5.700 LED-Lampen statt Glühbirnen eingesetzt. Der Sternenprojektor, der im Zentrum des Planetariums steht, wurde tiefer gelegt, weil die neuen Videoprojektoren "freie Bahn" benötigen. Die Videoprojektoren können nun das neue, kuppelfüllende Videobild ungehindert durch den Raum projizieren.
Der ganze Kosmos werde wie im Flug erfahrbar, so LWL-Museumsleiter Dr. Alfred Hendricks. Eine Reise zum Mond, über den Mars oder durch die Saturnringe werde täuschend echt nachgebildet. Hendricks: "Dabei steht, bei aller Begeisterung für die neuen Darstellungen, nicht allein das Bild im Vordergrund. Die faszinierende Sternenwelt wird auf leicht verständliche Art erläutert."
Die neuen Angebote richten sich an alle Altersgruppen. So gibt es speziell für Familien mit kleineren Kindern ab fünf Jahren das neue Programm "Als der Gulp die Erde einsackte...". Für ältere Kinder und ihre Familien sowie Erwachsene wird "Faszination Weltall" und "Augen im All" (deutschlandweit erstmals in voller Bildauflösung) angeboten.
Festwoche
Während der Festwoche vom 22. bis zum 29. Mai bietet der LWL im Planetarium eine Reihe von neuen Planetariumsveranstaltungen und kulturellen Sonderveranstaltungen an, unter anderem zu den technischen Neuerungen [Programm siehe unten].
Mit dem Einbau der neuen Technik und der Wiedereröffnung des Planetariums kommt nach langer Zeit eine Anhebung der Eintrittspreise. Mit Preisanhebungen um einen Euro auf drei Euro für Minderjährige und um 1,50 Euro auf 5,50 Euro für Erwachsene habe das LWL-Planetarium im Vergleich zu sämtlichen anderen Großplanetarien in Deutschland nach wie vor die günstigsten Ein-trittspreise, sagte LWL-Direktor Dr. Kirsch.
Energetische Sanierung des Gebäudes
"Eine energetische Gebäudesanierung war nach bald 30 Jahren dringend erforderlich", begründete Kirsch die Baumaßnahmen. "Aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes und des Landes setzen wir hier im Museum in diesem Jahr 2,7 Millionen Euro für die Sanierung ein."
Die energetische Sanierung setzte sich aus drei wesentlichen Maßnahmen zusammen: dem Auswechseln sämtlicher 130 Fensterscheiben durch Dreifachverglasung, der Isolierung der Fassade (in die allein 15.000 Löcher zum Einfügen des Isomaterials gebohrt werden mussten) sowie dem Auf-stocken der Attika (einem Aufsatz über dem Hauptgesims des Bauwerks) und der 20 bis 40 Zentimeter hohen neuen Dämmung des gesamten Flachdaches. "Damit ist die Außenhaut des Gebäudes auf einen Niedrigenergiestandard", so Kirsch.
Außerdem wurden allein 28 Kilometer Datenkabel verlegt. Der Eingangsbereich des Museums erwartet die Besucher komplett überarbeitet: Ein neuer Teppich wurde verlegt und ein neues Besu-cherinformationssystem aus vier großen Monitoren informiert über die aktuellen Termine. 200 neue Schließfächer sind eingebaut, die Klimaanlage wurde überarbeitet und am Kassenbereich Familien mit Kinderwagen, großen Gruppen oder Menschen mit Behinderungen der Zugang erleichtert.
Die nächsten Ausstellungen
"Für die Arbeit des Museums hatten diese Baumaßnahmen erhebliche Konsequenzen", so Museumsleiter Hendricks. "Sämtliche bestehenden Planungen, z.B. für Sonderausstellungen, mussten überarbeitet werden und sich den Baumaßnahmen unterordnen. Dabei ging es nicht nur um ein zeitliches Verschieben, sondern auch um eine räumliche und inhaltliche Neuorientierung der Angebote für dieses Jahr." Aus diesem Grund werde es neben der Festwoche zur Wiedereröffnung des Planetariums auch noch drei neue Ausstellungen im Museum geben.
Hendricks: "Ab sofort zeigen wir im LWL-Naturkundemuseum anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Biologischen Vielfalt eine Präsentation unter dem Titel 'Aller Reichtum dieser Welt"." Mitte Juni werde die Wanderausstellung "Messel on Tour - Fossile Schätze aus dem UNESCO-Weltkulturerbe Grube Messel" mit seltenen Originalfunden präsentiert. Im September folge dann die vom Museum selbst konzipierte Sonderausstellung "Tiere der Bibel" und stelle die tierischen Helden aus dem Buch der Bücher vor.
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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