Luft- und Raumfahrt China 2011: Peking öffnet den Luftraum für die Privatfliegerei
Chinas Hauptstadt Beijing ist dabei nicht nur Vorreiter der Liberalisierung, sondern zukünftig auch der Standort für die Luftfahrtindustrie im Segment "Privatfliegerei" schlechthin. Wie Ma Yuanjing vom China-Desk von Trempel & Associates in Berlin bestätigt, bemüht sich der im Osten der Hauptstadt gelegene Stadtbezirk Ping Gu darum, zum Luftfahrtzentrum zu werden.
Zum Internationalen Flughafen Beijings mit seinen 3 Großterminals ist der Weg nicht weit. Nach dem Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Ping Gu, Zhang Jifu soll der Luftraum in der 2. Jahreshälfte 2011 geöffnet werden. In Ping Gu soll darüber hinaus durch erhebliche Infrastruktur- und Anlageninvestitionen ein Zentrum der Luftfahrtindustrie entstehen. Gleichzeitig laufen die Planungen für die Verwaltung der privaten Luftfahrt. So soll der Luftraum im Osten Pekings sowohl Versuchsflugzone als auch Entwicklungsgebiet werden. Bisher war die Privatfliegerei grundsätzlich verboten und der chinesischen Luftwaffe unterstellt, die für Genehmigungen gleich welcher Art ausschließlich zuständig war. Zukünftig sollen zugelassene und lizensierte Privatflugzeuge den freigegebenen Luftraum (bis 4000 m) jederzeit nutzen können, wenn sie die Halter bzw. Kapitäne einen Tag vor dem Anflug angemeldet haben. Im Herbst 2011 ist in Ping Gu zu dem das erste chinesische "Zivilflugfestival" geplant, von dem sich auch internationale Hersteller einen Zugang zu dem bisher verschlossenen bzw. sehr restriktiven chinesischen Markt erhoffen.
Ping Gu`s Bürgermeister Zhang bestätigte die große innerchinesische Nachfrage an modernen Privatflugzheugen, was für den Produktionsstandort Ping Gu erhebliche Perspektiven eröffnet. Ansiedlungen ausländischer Hersteller im Bereich von Produktion oder Vertrieb sind eine Frage der Zeit. Kooperationen sind wie immer in China ausdrücklich erwünscht.
Gegenstand der ambitionierten Planung des Gebiets ist der Ankauf von Flächen um den Gebiet des Jin Hai-Sees. Hier sollen auf einem modernisierten und ausgebauten Flughafenareal zugleich Einrichtungen für die Produktion, Wartung aber auch die Reparatur von Zivilflugzeugen entstehen. Das Investitionsvolumen für 2011 wird mit 200-300 Mio. RMB angegeben. Eine neue Startbahn von 1000 m gehört dazu.
Zuerst wird Regierung Ping Gu die aktuelle private Flughäfen um der Jin-Hai See ankaufen, und die Investition anlocken, um die Flughäfen zu renovieren und Anschaffung der Produktionstechnik für Zivilflüge. Nach der chinesische Frühlingsfest wird die erste Bauphase der Flughäfen gestartet, voraussichtlich mit 200-300 Millionen RMB (bis 35 Mio Euro) investiert, ca.1000 Meter Flugbahne gebaut bzw. renoviert. Produziert werden sollen Kleinmotoren- und auch Düsenflugzeuge. Zu diesem Zweck begeben sich nach dem Frühlingsfest Delegationen ins Ausland, um geeignete Produktionslinien aufzukaufen. Der Bürgermeister plant, dem Markt zukünftig Flugzeuge im Preissegment zwischen 1 und 2 Mio. RMB anbieten zu können. Recht viel für einen Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, recht ambitioniert wenn man weiß, welches Potenzial der chinesische Markt bereits hat. Eine Flugschule und ein Privatflieger-Club sorgen zukünftig dafür, dass Privatflieger ideale Rahmenbedingungen für ihr Hobby oder aber die berufliche Nutzung vorfinden. Nach dem vom Staatsrat gemeinsam mit der Zentralen Militärkommission veröffentlichten "Merkblatt für die Vertiefung der Reform der Verwaltung der niedrigen Flughöhen" vom November 2010 soll in den nächsten 5 bis 10 Jahren der Flugverkehr in China schrittweise ganz für die private Luftfahrt geöffnet werden. Dadurch soll auch privates Kapital genutzt werden, um den erheblichen Marktbedarf zu erfüllen. Die Privatisierung der Luftfahrtkontrolle und des Lotsenwesens ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zu internationalen Standards. 2011 ist damit das Jahr des Startzeichens für die private Fliegerei. Sowohl was Hersteller als auch Privatflieger anbelangt. Für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie ergeben sich damit neue Chancen im globalen Wettbewerb zumal nicht anzunehmen ist, dass die Chinesen in erster Linie an US-amerikanischen Partnern interessiert sind.
Ein kleines Problem bei der Wertschätzung ausländischer Investoren bleibt allerdings noch zu lösen: Zieht sich die brasilianische EMBRAER aus Harbin in Heilongjiang zurück, weil ihr aus protektionistischen Motiven die Lizenz zum Bau seines Großraumflugzeugnachfolgemodells zum ERH 145 nicht genehmigt wird, werden auch andere Hersteller eher zurückhaltend bleiben. Seit 2003 fertigt EMBRAER recht erfolgreich in seinem Werk in Harbin das Basismodell der Embraer Regional-Jet Familie, die ERH 145 mit zwi Rolls-Royce/Allison AE 3007 A - Turbofans am Heck. An die 1000 Stück insgesamt konnte der Welt drittgrößter Hersteller hiervon weltweit absetzen. Trempel & Associates bearbeiten Fragen der Luft- und Raumfahrt im China-Geschäft seit einigen Jahren mit steigender Nachfrage und bestätigen, dass vor allem das Forschungsvolumen Chinas ständig zunimmt. Strategisch wichtige Standorte für die Luft- und Raumfahrtindustrie sind neben dem Newcomer "Beijing-Ping Gu", die Städte Chengdu, Xian, Harbin, Tianjin, Beijing und das Weltraumzentrum Jiuquan in der Provinz Gansu.
Quelle: Pressemeldung Trempel & Associates Berlin
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