Mit LOLA zum Mond
Es scheint paradox: Obwohl schon Menschen über seine Oberfläche spaziert sind, birgt der Mond noch viele Geheimnisse. So ist es kein Wunder, dass eine wissenschaftliche Expedition die nächste ablöst. Soeben ist die japanische Sonde Kaguya planmäßig auf der Südhalbkugel der Mondvorderseite nahe dem Krater Gill eingeschlagen und hat damit die erfolgreiche Mission der japanischen Weltraumorganisation JAXA beendet, da startet auch schon die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA noch in dieser Woche mit ihrem Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) das nächste hochkarätige Monderkundungsprojekt.
Kaum zum Luft holen kommt dabei Jürgen Oberst, Professor am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik, Fachgebiet Planetengeodäsie, der TU Berlin und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Planetenforschung, Planetengeodäsie. Oberst ist mit seinem Spezialgebiet Planetenforschung und Geodäsie wie zuvor für die JAXA auch für die NASA der Experte der Wahl. "Wir werden mit den Daten des Laser-Höhenmessers LOLA den Mond neu vermessen", berichtet Jürgen Oberst. Das Kürzel LOLA steht für Lunar Orbiter Laser Altimeter. Außerdem wird das Team um Prof. Oberst Stereobilddaten der LRO-Kamera verarbeiten und auswerten, die von Bord der Sonde zur Erde gesendet werden. Ziel sei es, aus den verschiedenen Daten Modelle für die globale Form des Erdtrabanten und präzise topographische Karten der Mondoberfläche zu erstellen, um zum Beispiel geeignete Landeplätze für zukünftige Mondmissionen zu finden.
Das Besondere an der Mission, die mit einer schubstarken Atlas V-Rakete von Cape Canaveral in Florida startet, ist die weitaus höhere Genauigkeit der zu erwartenden Daten. "LOLA liefert 28 Mal pro Sekunde jeweils fünf Höhenmessungen. Die räumliche Auflösung der Daten ist am Ende der Mission also 100fach besser als die der japanischen Mission", erläutert Jürgen Oberst. Auf einer polaren, kreisförmigen Umlaufbahn, die die Sonde vier Tage nach dem Start erreicht haben wird, sollen die Instrumente insbesondere die noch weitgehend unerforschten Polregionen erkunden. In tiefen Kratern werden dort Eisvorkommen vermutet. Außerdem wollen der Experte und sein Team ehemalige Landeplätze aufspüren und vermessen. "Aus 50 Kilometer Höhe können wir bei einem halben Meter Auflösung die zurückgelassenen Antennen und Laser-Reflektoren der Apollo Missionen sehen." Diese stellen wichtige Vermessungspunkte dar, die praktisch das Koordinatensystem des Mondes definieren. "Vielleicht können wir sogar die Fahrspuren der Rover erkennen", hofft er.
Die Gesamtkosten der Expedition, die zunächst auf ein Jahr mit der Option auf Verlängerung auf vier Jahre ausgelegt ist, kostet die NASA etwa 680 Millionen US-Dollar. Der deutsche Beitrag wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und den beteiligten Instituten getragen und beläuft sich auf etwa 600 000 Euro. An der TU Berlin wurden eigens für die Mission zwei Doktorandenstellen geschaffen.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin
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