Rosetta: Europa auf Kometenjagd
Am 13. November hat sie uns ein letztes Mal beehrt: Um 8.45 Uhr MEZ flog sie in nur 2481 Kilometern Abstand an der Erde vorbei und wurde dabei um 13 000 km/h beschleunigt. Mit rund 61 000 km/h rast Rosetta nun ihrem eigentlichen Ziel entgegen.
Die Rosetta-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist für die weltweite Forschergemeinde so einzigartig und bedeutsam, wie die erste bemannte Mondlandung. Schließlich geht es um die Urmaterie des Sonnensystems und die Frage, ob Kometen das Leben einst auf die Erde gebracht haben. Das Landeteil der Sonde sowie wesentliche wissenschaftliche Experimente kommen von deutschen Forschungsinstituten.
Bereits das Zusammentreffen von Komet und Sonde ist für die Ingenieure eine Herausforderung, denn das Szenario spielt sich 2014 in über 480 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde ab. Aber die Wissenschaftler und Techniker haben noch weitere Superlative in petto: Erstmals soll ein von Menschenhand geschaffener Raumflugkörper einen Kometen über einen längeren Zeitraum umkreisen und dabei dessen Oberfläche detailliert erkunden.
Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der etwa vier Kilometer große Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko noch im tiefsten Winterschlaf. Die Rosetta-Sonde begleitet dann den Kometen auf seinen Weg in Richtung Sonne. Somit können die Bordinstrumente erstmals auch hautnah jene Veränderungen erfassen, die unter dem Einfluss einer immer stärkeren Sonneneinstrahlung auf einem Kometen ablaufen und zur berühmten Schweifbildung führen.
Das Sahnehäubchen der Mission ist aber die geplante Landung von Philae auf dem Kometen. Gelingt das Manöver, kann das exotische Kometenmaterial hautnah durch zehn verschiedene Instrumente detailliert untersucht werden.
Starke deutsche Beteiligung
Ursprünglich sollte sich die Sonde bereits 2003 auf dem Weg zum Kometen Wirtanen befinden. Aber der Fehlstart einer verbesserten Ariane-5-Trägerrakete Ende 2002 führte zum vorläufigen Aussetzen aller Starts und brachte Rosetta eine Zwangspause ein. Aber nicht genug damit, die Wissenschaftler mussten sich ein neues Ziel für ihren Kometenjäger suchen, denn ein Komet, in diesem Fall Wirtanen, wartet nicht. Aus Sicht der Wissenschaftler sei das neue Zielobjekt sogar noch interessanter.
An Bord der beiden Sondenteile befinden sich insgesamt 21 Instrumente, elf auf dem Orbiter und zehn auf dem Lander. Davon wurden allein 13 an deutschen Universitäten, Max-Planck- oder DLR-Instituten entwickelt und gebaut, bzw. wichtige Teile beigesteuert. Der Lander Philae wurde im Wesentlichen am DLR-Institut für Raumsimulation Köln und dem Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau gebaut. Die Leichtbaustruktur steuerte das DLR-Institut für Strukturmechanik in Braunschweig bei.
Quelle: Pressemeldung European Space Agency
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