Schutz des Bergahorns dient dem Flechtenschutz
Im Ahornboden im tiroler Karwendel ist er namensgebend, aber auch im Ammergebirge bei Linderhof und auf den Schachten im Bayerischen Wald prägt er die Landschaft: der Bergahorn, der zum Baum des Jahres 2009 gewählt wurde. Darüber freut sich auch Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU): "Für den Naturschutz ist der Bergahorn eine gute Wahl, denn er ist ureigenster Bestandteil natürlicher Berg-Schutzwald-Gesellschaften und zugleich wertvoller Lebensraum für viele seltene Flechten und Moose." Ein Beispiel ist das seltene Trompetenmoos, das sogar unter dem besonderen Schutz der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie steht und fast ausschließlich auf Bergahorn wächst. Bemerkenswert ist vor allem die beeindruckende Vielfalt der Flechten: Auf zehn Quadratzentimetern Borke können gut und gerne zehn Flechten vorkommen. Dieser wenig beachteten Artenguppe widmet das LfU heuer besondere Aufmerksamkeit: In Kooperation mit dem Botanischen Garten Erlangen werden Methoden zur gezielten Vermehrung von Erdflechten erprobt. Zudem sollen in den bestehenden Artenhilfsprogrammen des LfU spezielle Anleitungen zum Schutz von Flechten und Moosen erarbeitet werden. "Der "Umweg" über den Bergahorn führt geradewegs zu den Flechten: Bergahorn-Wälder erhalten ist aktiver Flechtenschutz", so Göttle. +++
Moose und Flechten lieben den Bergahorn, weil er in Bachtälern, an Waldrändern und in Nebelgebieten wächst: überall, wo es hell und feucht genug ist. Dabei sind sie vor allem auf alte Baumbestände angewiesen, da sie sich nur sehr langsam ausbreiten. Hier bilden sich häufig üppige Flechtenbärte und dicke Moospolster. Auch die Borkenchemie spielt für die Besiedlung eine große Rolle: Je älter die Rinde, desto basischer und besser besiedelbar ist sie. Viele der Arten sind unscheinbar und nur mit Lupe oder gar Mikroskop sicher zu bestimmen. Andere Arten sind dagegen einfach zu erkennen, zum Beispiel die Lungenflechten: Die großen Blattflechten haben olivbraune Lappen und waren ehemals weit verbreitet. Heute sind sie nur noch in den Alpen zu finden und entwickeln sich dort wieder häufiger. Sehr auffällig sind auch die leuchtend gelb-orangen Flechten, die einen hohen Nährstoffgehalt anzeigen. Diese Arten sind immer häufiger in landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder in der Nähe von menschlichen Siedlungen zu finden. Neben dieser Indikator-Funktion für die Luftgüte sind gerade baumbewohnende Flechten sichere Zeiger für alte, wertvolle Wälder, denn sie kommen nur vor, wenn seit dutzenden von Jahren immer besiedelbare, alte Bäume vorhanden waren.
Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt
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