Sternstunden im Himalaya

08.04.2009 | Mainz
Die aufstrebende Nation Indien errichtet am Fuße des Himalaya-Gebirges, nordöstlich von Neu-Delhi, Asiens größtes abbildendes Teleskop. 2012 soll es einsatzbereit sein und den Blick ins Universum über der nördlichen Hemisphäre richten.

Mit einem 3,7 Meter großen Spiegel aus der Glaskeramik "Zerodur" von SCHOTT zählt das von der belgischen Firma AMOS entwickelte Teleskop zu den Top 30 der Welt. ARIES, ein autonomes Forschungsinstitut des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie der indischen Regierung, koordiniert das internationale Projekt.

In Nainital zwischen den Berghängen des Himalaya-Gebirges spiegelt sich der außerordentlich klare Himmel in einem tropfenförmigen See. "Nain", das Auge der göttlichen Sati, sei hier zu Boden gefallen, berichtet die Hindu-Mythologie. Doch weniger Mythologisches, sondern vielmehr das Geschehen außerhalb unserer Welt liegt im Fokus des hiesigen Aryabhatta Research Institute of Observational Sciences (ARIES).

"Wir planen im nahegelegenen Devasthal Indiens größtes optisches Astronomie-Teleskop zu errichten", sagt Professor Ram Sagar, Direktor von ARIES. "2012 soll es in Betrieb gehen und ist für die spektroskopische Erforschung der Milchstraße optimiert. Durch Beobachtung des Farbspektrums von Lichtquellen kann man chemisch-physikalische Prozesse sowie die innere Struktur oder die Temperatur der Himmelskörper bestimmen", erklärt Prof. Sagar.

Auge aus Glaskeramik

Das Teleskop wird mit einem 3,7 Meter großen Spiegel aus "Zerodur" von SCHOTT ausgestattet. "Zerodur" ist eine Glaskeramik, die sich insbesondere durch einen Ausdehnungskoeffizienten auszeichnet, der bei nahezu Null liegt. So wird verhindert, dass es aufgrund von Temperaturschwankungen zu Ungenauigkeiten bei der Vermessung des Himmels kommt. Zudem verfügt das Material über eine extrem hohe Homogenität, chemische Beständigkeit und eine sehr gute Langzeitstabilität der mechanischen Eigenschaften. Weltweit findet sich daher in den meisten Großteleskopen "Zerodur" von SCHOTT als Spiegelträgermaterial.

"Die hohe Qualität des Spiegelmaterials ist von entscheidender Bedeutung für ein Teleskop dieser Größenordnung", erklärt Frédéric Rausin, Project Manager bei AMOS S.A. Advanced Mechanical and Optical Systems in Liège (Belgien). "Zudem war die langjährige Erfahrung des SCHOTT-Teams mit großen Astronomie-Projekten äußerst hilfreich. So gelang in sehr kurzer Zeit auch die anspruchsvolle Bearbeitung des Spiegelträgers für die aktive Optik des Spiegels, mit der die Bildschärfe des Teleskops deutlich verbessert werden kann."

Verzerrungsfreier Blick in die Sterne

"Um die 69 Aktuatoren - Maschinen ähnlich eines "mechanischen" Muskels - der aktiven Optik aufzunehmen, wurden auf der Rückseite des Spiegelträgers Taschen mit äußerst geringen Toleranzen eingearbeitet", erklärt Dr. Thorsten Döhring, Experte für Astronomieprojekte bei SCHOTT Advanced Optics in Mainz (Deutschland). "An diesen Punkten kann der Spiegel nun im Nanometer-Bereich justiert werden. Damit lassen sich die Schwerkraftverbiegungen des Spiegels beim Nachführen des Teleskopes kompensieren."

SCHOTT erhielt von Generalunternehmer AMOS den Auftrag für die Bereitstellung und Bearbeitung des "Zerodur"-Rohlings im September 2008. Bereits wenige Monate später, im März 2009, wurde der Glaskeramik-Monolith per Schwertransport zum Polierer geliefert. Nach Fertigstellung wird das Himmelsauge dann nach Liège (Belgien) verschifft, wo der Spezialist für optomechanische Systeme AMOS das Teleskop vollständig aufbaut und ausgiebigen Tests unterzieht. Sobald diese abgeschlossen sind, wird die Gesamtanlage - 13 Meter hoch und rund 120 Tonnen schwer - in Module á 15 Tonnen zerlegt. Per Sondertransport treten sie die lange Reise in den Himalaya an, um ab 2012 Sati"s Blick in den Himmel zu folgen.

Quelle: Pressemeldung Schott Solar GmbH

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