Zwischen Klimakillern und Welterbestatus
Mehr Kohlekraftwerke und mehr Ölförderung auf der einen, mehr Robben und mehr Naturschutz auf der anderen Seite. "2008 war für den Wattenmeerschutz ein ereignisreiches Jahr. Es gab viel Grund zur Freude, aber auch ebenso viele bedenkliche Entwicklungen", bilanziert Dr. Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum. Auch mehr als 20 Jahre nach der Gründung der Nationalparke sei man noch immer weit von dem Ziel entfernt, internationale Naturschutz-Standards einzuhalten. "Die Industrialisierung des Wattenmeers schreitet leider weiter voran", kritisiert Rösner.
Zu den großen Fortschritten für den Schutz der einmaligen Naturlandschaft an der Nordseeküste zählen zwei politische Entscheidungen: In Dänemark entschied sich das Parlament für eine Ausweisung des Wattenmeeres als Nationalpark. Noch einen Schritt weiter gingen Deutschland und die Niederlande. Sie beantragten Anfang 2008 bei der UNESCO den Weltnaturerbe-Status für das Wattenmeergebiet. Mit einer Entscheidung wird im Sommer 2009 gerechnet.
2008 war aber auch das Jahr der Klimakiller. Die Ölindustrie will sich nicht mehr mit der bereits bestehenden Bohr- und Förderinsel Mittelplatte im Nationalpark zufrieden geben. RWE Dea will nun auch in der weiten Umgebung dieser Plattform nach Öl suchen. Darüber hinaus hat sich die Firma den gesamten nordfriesischen Teil des Wattenmeeres mit seinen Inseln und Halligen als Claim für die Ölsuche gesichert. "Glücklicherweise regt sich politischer Widerstand", so Rösner und gratuliert dem Kreistag Nordfriesland, der sich einstimmig gegen neue Ölbohrungen ausgesprochen hat. Deutliche Kritik übt der WWF an der Kieler Landesregierung: Sie hat die von RWE Dea geplanten Bohrstellen als so genannte Exklave aus dem für das Weltnaturerbe angemeldeten Gebiet herausgenommen. "Der Regierung fehlt der Mut, sich zum Nationalparkgesetz zu bekennen", kritisiert der WWF-Experte. Dieses verbiete Ölbohrungen im Schutzgebiet.
"Es ist schon absurd, dass die Politik ausgerechnet in der Wattenmeer-Region auf Klimakiller wie Öl und Kohle setzt", so Rösner. Statt die geplanten Kohlekraftwerke in Brunsbüttel, Stade, Wilhelmshaven und Emden zu bauen, müsse man bei der Energieerzeugung an der Küste auf erneuerbare Energien setzen. "Es gibt kaum einen besseren Ort für eine moderne, klimafreundliche Energiepolitik. Diese muss man dazu aber auf eine naturverträgliche Weise entwickeln", betont Rösner.
Ein Lichtblick sieht der WWF bei der Entwicklung bei den Robben. Über 20.000 Seehunde bedeuten einen neuen Rekord seit Beginn der regelmäßigen Zählungen. Auch die Rückkehr der einst verschwundenen Kegelrobben setzt sich fort: Allein an der deutschen Nordseeküste gibt es drei Wurfplätze. Insgesamt nutzen derzeit gut 2000 Kegelrobben das dänisch-deutsch-niederländische Wattenmeer und die angrenzende südliche Nordsee.
Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland
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